Durst wird durch Bier erst schön

DIE KELTEN ZAPFTEN BIER AUS FÄSSERN

Juden, Griechen, Römer, Kelten - alle kannten das Bier. Nicht alle mochten es. Aristoteles beschäftigte sich wissenschaftlich damit.DIE KELTEN ZAPFTEN BIER AUS FÄSSERN

Von den Ägyptern nahmen die Juden des Alten Testaments die Praxis der Bierbrauerei mit ins Gelobte Land. Das »Sechar«, wie sie es nannten, wurde auch bei ihnen zum Alltagsgetränk. Doch für die Feiertage oder zum Trankopfer schätzten sie etwas anderes als die Ägypter: den Wein.

Die Griechen machten im fünften vorchristlichen Jahrhundert die Bekanntschaft mit ägyptischem Bier. Für sie war es typisch für die ägyptische Lebensart. Der Tragödiendichter Aeschylos, der zu jener Zeit lebte, nannte die Ägypter nur »die Leute, die Met aus Gerste trinken«.

Schon vorher hatten die Griechen bei ihren Reisen in fremde Länder Bier kennengelernt; es imponierte ihnen aber nicht besonders. Der Dichter Archilochos berichtete bereits im siebten vorchristlichen Jahrhundert von den Getränken der kleinasiatischen und balkanesischen Phrygier und Thrakier, die aus aufgeschwemmtem Gerstenbrot - zuweilen unter Zusatz von Obst - hergestellt wurden. Der Schriftsteller Xenophon erzählte im vierten Jahrhundert v. Chr. von den Armeniern, die einen berauschenden Trank schlürften - mit Strohhalmen, wegen der drin herumschwimmenden Getreidekörner.

Die Griechen begannen dann auch bald selbst, allerlei Bier zu brauen. Aber es galt als das Getränk der armen Leute, Aristokratisch war es nicht. Der Philosoph Aristoteles, Sohn eines vornehmen Arztes, untersuchte halbwegs wissenschaftlich allerlei Räusche. Er stellte nicht nur fest, daß Bier ein angenehmer Schlaftrunk ist. Er machte noch viel kuriosere Erfahrungen: daß nämlich »Bier die Eigentümlichkeit besitzt, den Menschen, der zuviel davon getrunken hat, nach rückwärts fallen zu lassen, während allzu reichlicher Weingenuß ein Niederstürzen nach allen Seiten verursacht«.

Von den Griechen übernahmen die Römer die Kunst des Bierbrauens und auch seine geringe Einschätzung. In Rom war Bier lange Zeit erst recht nichts Vornehmes. Dann, als die Römer auf ihren Entdeckungsreisen und Eroberungszügen andere ausländische Biere kennenlernten, schwankte die Meinung. Der Geograph Strabo berichtete einige Jahre vor der Zeitwende, daß die Bergvölker in Iberien - also in Spanien und Portugal - ihr aus Hirse und Gerste gebrautes Bier dem Wein weitaus vorzögen. Und dieses Getränk sei auch nicht schlecht.

Bei den Vorfahren der heutigen Franzosen, den Kelten in der römischen Provinz Gallien, lernten die römischen Legionäre im ersten vorchristlichen Jahrhundert gutes Bier kennen. Die Kelten nannten ihr Gerstenbier »Corma« und zapften es schon aus Fässern. (Auch ein Weizenbier gab es, das mit Honig gesüßt wurde.) Julius Cäsar brachte das gallische Bier mit seinen Soldaten auf die Britischen Inseln.

Roms Legionäre hatten sich angewöhnt, Bier aus Kürbisschalen zu trinken, Die wurden oft fein verziert. Eine sehr kunstvolle Schale können Sie im Pariser Museum Carnavalet sehen. Am oberen Rand trägt sie die Aufschrift »Fülle mir, holde Gastgeberin, von neuern die Schale mit Bier«.

Man weiß von vielen römischen Feinschmeckern, die Bier im Keller hatten - und zwar Biere ganz verschiedener Herkunft, aus Ägypten, aus dem Skythen- und dem Keltenland. Der hochgebildete Kaiser Julian (332 bis 363) behauptete zwar in einem Spottgedicht, »Wein duftet nach Nektar, Bier aber stinkt nach Bock«. Doch sein Nachfolger, Flavius Valens, trank Bier sehr gerne. Er liebte besonders das »Sabaium«. Das kam aus der Gegend, die heute Österreich heißt, und hatte seinen Namen vom Gott Sabazios. So hatten die Thraker den Gott des Weins genannt, der auch für das Bier zuständig war. Nun, Kaiser Valens trank so viel Sabaium, daß man ihn »Sabaiarius« nannte - und das blieb lange Zeit der Name für einen Säufer.

Und unsere Vorfahren, die alten Germanen? Lernten sie das Bier von den Kelten kennen oder von den Römern? Man weiß es nicht so recht. Neuere Forschungen haben ergeben, daß man schon ums Jahr 1500 v. Chr. in Mitteleuropa Fladenbrote buk, um daraus Bier zu brauen. Wahrscheinlich wurde auch in Deutschland schon viel früher Bier hergestellt, als man bisher annahm. Aber damit wollen wir uns im nächsten Kapitel beschäftigen.

>> So kam das Bier zum Bärenfell







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