Durst wird durch Bier erst schön

2000 DURSTIGE JAHRE

Die Geschichte des Biers ist interessant und spannend. Vor allem, wenn man die Apparate sieht, die einst benutzt wurden. Zum Beispiel in einem Museum. Geschichte des Biers

Im Westfälischen Freilichtmuseum Technischer Kulturdenkmale

Immer wieder stoßen Sie in dieser Präsenz auf Fotos oder Zeichnungen, die Ihnen zeigen, wie man früher braute. Viele dieser Bilder stammen aus Museen, die fürs Bier eine besondere Abteilung eingerichtet haben und dort, alles in allem, eine Übersicht über 2000 durstige Jahre geben. Einige dieser Museen wollen wir hier vorstellen.

Das bekannteste ist wohl das Deutsche Brauerei-Museum in München, das an das Münchner Stadtmuseum (am St.-Jakobs-Platz) angegliedert ist. Es wurde 1952 auf Initiative des Hofbräuhauses gegründet. Schwerpunkt der Ausstellung ist die historische und technische Entwicklung des Bierbrauwesens. Das älteste Ausstellungsstück ist ein Trinkgefäß aus dem 4. Jahrtausend vor Christus, das jüngste eine komplette Kleinbrauerei. Daneben sind Modelle von Großbrauanlagen, aber auch Seidel, Humpen und Biergläser zu sehen.

Am »Frankfurter Brauerei-Museum« ist der Ort das Ungewöhnlichste. Das Museum liegt nämlich mehr als 100 Meter hoch in einem Gerstensilo der Henninger-Brauerei (Frankfurt-Sachsenhausen, Heinerweg). Dort wird die Braugeschichte Frankfurts vom frühen Mittelalter bis in die heutige Zeit dargestellt - an Bildern, Urkunden, Sammlerstücken und Einzelobjekten.

Einen ebenfalls ungewöhnlichen Ort hat sich der Inhaber der Kuchlbauer-Brauerei in Regensburg für sein Biermuseum ausgesucht: eine ehemalige Kirche. »Peter und Paul« ist eins der ältesten Gotteshäuser Regenburgs. Es steht in der Nähe der »porta praetoria« (am Schwanenplatz neben dem Stadtmuseum) und wird schon lange nicht mehr seelsorgerisch genutzt. Im Dachgewölbe und Obergeschoß wurde nun eine komplette mittelständische Brauerei der Jahrhundertwende eingerichtet. Hier kann man nachvollziehen, wie vor 80 oder 90 Jahren Bier hergestellt wurde. Sie sehen unter anderem eine Schrotmühle mit Handbetrieb, ein Sudhaus mit Pfanne und Läuterbottich, Hopfenseiher und Kühlschiff sowie schöne Holzbottiche.

Auch die Küppers-Kölsch-Brauerei in Köln (Köln-Bayenthal, Alteburger Straße) hat eine »Historische Braustätte« mit einer großen, nostalgisch eingerichteten Trinkstube eröffnet. Das Museum besteht aus einer vollständigen Hausbrauerei der Zeit um 1900. Bei der Rekonstruktion ging man äußerst detailgetreu zu Werk. Außer den üblichen Anlagen zur Bierherstellung wurde auch auf das Drumherum großer Wert gelegt. Hinter dem Eingang der Brauerei, einem handgeschmiedeten Tor, liegt das »Braumeisterbureau«. Dort stehen schwere ledergebundene Buchhaltungsbücher. Gegenüber liegt der Malzboden mit Sackwinde, einer Malzputze mit Handantrieb, einer Sortiermaschine, einem Becherwerk und einer Schrotmühle. Sogar ein Gär- und Lagerkeller wurde originalgetreu eingerichtet. Viele dieser Museumsstücke sind an verschiedenen Stellen in diesem Buch abgebildet.

In Gescher (am Niederrhein, in der Nähe der holländischen Grenze) wird zur Zeit ein über 200 Jahre altes Brauhaus wieder aufgebaut. Schon jetzt sind viele Stücke des zukünftigen Braumuseums im Gescher Heimatmuseum zu sehen. Malzdarre, Kessel und vieles andere stammen aus dem vorigen Jahrhundert. Bald soll das Brauhaus eröffnet werden.

Ein anderes echtes Brauhaus, das gleichzeitig Braumuseum ist, finden Sie im Museumsdorf Cloppenburg in Niedersachsen (35 Kilometer südwestlich von Oldenburg). Ursprünglich stand dieses zweigeschossige Brauhaus, das aus dem Jahre 1736 stammt, in der Nähe des niedersächsischen Dorfes Visbek. Es gehörte zum Brautschatz einer Dame namens Catharina Cramer und wurde in Einzelteilen auf dem Leiterwagen zum Hofe des Bräutigams gefahren; es war sozusagen ein Fertighaus und mußte am Bestimmungsort nur noch zusammengesetzt werden. So konnte man es in Visbek auch leicht wieder abbrechen, um es in Cloppenburg aufzustellen. Jetzt kann man im Inneren des Brauhauses viele altertümliche Geräte zur Bierherstellung besichtigen.

Es gibt zahlreiche kleine Brauereien, die sich Museen eingerichtet haben - mit Gerätschaften, Fässern, Darren, alten Flaschen, Dokumenten und historischen Fotos. Hier nennen wir nur zwei dieser Brauereien, die im Bayerischen liegen. Beide sind 100 oder 150 Jahre alt und viel von den Ausstellungsstücken stammt aus dem eigenen Bestand. Das ist einmal die Brauerei Rolinck in Steinfurt-Burgsteinfurt und dann eine Brauerei in Tüßling (zwischen Mühldorf und Altötting), die den anheimelnden Namen »Bräu im Moos« hat.

Das jüngste Biermuseum wurde vor einigen Jahren in Dortmund eröffnet - ein »Lehrmuseum« der Kronenbrauerei (in der Märkischen Straße, nahe der Bundesstraße 1). Hier wird eine Brauerei gezeigt, wie sie Mitte des vorigen Jahrhunderts in Dortmund üblich war. Damals, zu Beginn der technischen Revolution, ging man von der Hausbrauerei zum Großbetrieb über.

Das Museum ist in einem gewaltigen Kellergewölbe untergebracht, in dem früher das Bier gekühlt wurde. In einem der riesigen Holzbottiche können Sie sogar den Gärprozeß beobachten. Sie können hineinsehen; der Bottich ist innen beleuchtet.

Frankfurter Brauerei-MuseumIn einem 120 Meter hohen Turm lagert die Frankfurter Brauerei Henninger 15000 Tonnen Braugerste. Die reichen für 200 Millionen Glas Bier. Ganz oben im Turm ist das Frankfurter Brauerei-Museum untergebracht. Da können Sie zum Beispiel die rechts abgebildeten uralten Bierflaschen sehen, die zum Teil noch original gefüllt sind. Die Flasche ganz vorne enthält »Deutsches Ritterbier« von 1871. Es wurde nach Lissabon verschifft und kam auf seltsamen Wegen in den Dreißigerjahren nach Deutschland zurück. Bei der Flasche links daneben steht sogar das exakte Abfülldatum fest. Es war der 12. September 1881.

>> Einst war das Brauen Frauensache







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