Durst wird durch Bier erst schön

SCHWESTER BRAUMEISTERIN

Daß Frauen in Klöstern das Bierbrauen lernten, haben wir berichtet. Auch heute lernen sie es noch.SCHWESTER BRAUMEISTERIN

Brauerei im Kloster Mallersdorf

Da ist zum Beispiel Schwester Doris von der Kongregation der Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf. Sie leitet eine moderne Brauerei mit zwei großen Kupferkesseln, mit Kühlpfannen und einem Lagerkeller. Eine Braugesellin und ein männlicher Helfer stehen ihr zur Seite.

Der Jahresausstoß, den die drei produzieren, beträgt 2000 Hektoliter. 60 Prozent der Produktion werden in die nähere Umgebung verkauft. »Das Klosterbier«, sagt Schwester Doris, »ist bei den Leuten sehr beliebt.« Werbung braucht sie für ihr Bier nicht zu machen, und ein Geheimrezept hat sie auch nicht. Sie betreibt den Beruf der Braumeisterin nach modernen wissenschaftlichen Grundsätzen.

1976 hat sie an der Berufsfachschule in Ulm die Brau- und Malzmeisterprüfung abgelegt. Sie war die einzige Frau. Und sie schnitt mit einer hervorragenden Note ab, besser als alle männlichen Kommilitonen.

Sie selbst sieht ihre Leistung bescheiden. »Ich hatte viele von den Sorgen und Belastungen nicht, mit denen so mancher meiner Berufskollegen fertigwerden mußte«, sagt sie. »Da war oft der Zwang, neben dem Studium noch Geld zu verdienen, für hohe Mieten, für den Lebensunterhalt, manchmal sogar für die Familie. Um all das brauchte ich mich nicht zu kümmern.«

Schwester Doris war zu diesem Zeitpunkt bereits in die Klostergemeinschaft der Armen Franziskanerinnen aufgenommen. Seit 1971 trägt sie den Schleier und das schwarze, weite Gewand einer Nonne.

Wie kam sie dazu? Ihre Eltern hatten einen Bauernhof in Franken. Sieben Geschwister waren zu Hause, Doris als Jüngste. Sie wollte und sollte in die höhere Schule gehen, weil nach der Aufteilung an die Kinder vom elterlichen Hof kaum etwas übrigblieb.

Doris kam in die Kloster-Realschule zu Mallersdorf. Dort wurde sie von Nonnen unterrichtet. Das Leben der Klosterfrauen gefiel dem Mädchen. Diese Frauen waren alle sehr selbständig und hatten Berufe, die sie mit Begeisterung ausübten.

2500 Schwestern gehören zur Kongregation der Armen Franziskanerinnen. Der Orden hat 240 Außenstationen, vor allem in Bayern und der Rheinpfalz. Aber drei liegen auch in Südafrika. »Kongregation« bedeutet in diesem Fall, daß die Schwestern nicht ein geschlossenes, von der Außenwelt abgekehrtes Klosterleben führen, sondern ihre Arbeitskraft und Initiative dort einsetzen, wo sie gebraucht wird: in Schulen, in Krankenhäusern, in der Landwirtschaft.

Schwester Doris hat sich allerdings für einen Beruf entschieden, der sie an den Stammsitz der Kongregation, an Mallersdorf, bindet. Ihr Reich ist die Klosterbrauerei. »Und das wird es bleiben, solange ich arbeiten kann«, sagt sie.

Ihre Vorgängerin war Schwester Lisana. Von ihr hat Doris die ersten Grundregeln der Bierbrauerei gelernt: zwei Jahre Lehrzeit in der Klosterbrauerei.

Danach kam ein Vierteljahr Berufsschule, dann die Gesellinnenzeit. Sieben Jahre waren das, in einer weltlichen Groß-Brauerei im Saarland - als einzige Frau unter lauter Männern. In den letzten vier Jahren trug Doris bereits den Schleier.

»Die Kollegen waren am Anfang etwas konsterniert«, gibt sie heute zu. Eine Frau in diesem Beruf und dann auch noch eine Nonne - das war ein bißchen viel. »Aber es kommt darauf an, wie man sich als Mensch gibt«, sagt Schwester Doris. Damit hatte sie bald gewonnen. »Die Zusammenarbeit mit den Männern klappte prima.«

Daß Schwester Doris ihren Beruf und ihre Brauerei liebt, ist beiden anzusehen. Ihre Brauerei ist tip-top, die Organisation läuft wie am Schnürchen.

Acht Stunden am Tag wird gearbeitet, manchmal mehr, manchmal ein bißchen weniger. Am Freitag mittag ist Schluß. Und einen Jahresurlaub gibt es auch.

Den Hopfen kauft Schwester Doris ein, aber das Getreide fürs Malz bezieht sie aus der Klosterlandwirtschaft. Eine Mälzerei ist im Hause. Auch darum kümmert sich Schwester Braumeisterin. Sie läßt es sich nicht nehmen, einen Großteil ihres Bieres in traditionelle Bügelverschlußflaschen abzufüllen.

Ihre Arbeitskraft wird nach den gängigen Tarifen für Braumeister berechnet. Ihr Gehalt fließt der Kongregation zu. Wenn sie Geld für sich braucht, nimmt sie das aus der gemeinschaftlichen Kasse.

Brauerei im Kloster Mallersdorf

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